Verschwundene Piloten

Gespenstisch. Am Sonntag vor drei Abenden bestätigte im ZDF-heute-journal Horst Rippert, ehemals deutscher Kampfpilot im Zweiten Weltkrieg: Ja. Er habe am 31. Juli 1944, vor der Küste Südostfrankreichs, den legendären Schriftsteller-Piloten Antoine de Saint-Exupéry abgeschossen. Einige Fachleute haben zwischenzeitlich Zweifel an der Zuverlässigkeit angemeldet, mit der sich das behaupten lässt. Immerhin scheint in der Sache aber durchaus gründlich recherchiert worden zu sein.

Keine ganzen zwei Tage später ist der Regisseur Anthony Minghella gestorben, ein ziemlicher Nachrichtenschock, das kam plötzlich und viel zu früh. Dieser Tage öfters an die überwältigenden Bilder aus seinem The English Patient gedacht. Der Film spielt auch im Mittelmeerraum während des Zweiten Weltkriegs, auch dort wird ein Schöngeist in seinem Flugzeug von Deutschen abgeschossen. Der Almászy, den Ralph Fiennes dort spielt, hat zwar nicht Le Petit Prince geschrieben, dafür trägt er aber überallhin seinen Herodot mit sich und legt Tagebuchnotizen zwischen die Seiten.

Zurück zum Luftwaffenpiloten Horst Rippert. Ich hätte ja gedacht, so jemand würde das Naheliegende sagen: Es war Krieg. Stattdessen aber sagte er dem ZDF:

Wenn ich ihn gesehen hätte, ich kannte ihn ja nicht persönlich, hätte ich bestimmt nicht geschossen.

Und die Nachrichtenagentur AFP zitiert ihn mit den Worten:

Wenn ich gewusst hätte, dass das Saint-Exupéry war, hätte ich niemals geschossen, niemals.

Er habe immer gehofft, es sei nicht Saint-Exupéry gewesen, den er da abgeschossen hatte, er hatte dessen Bücher in seiner Jugend geliebt. Das ist zunächst einmal herzzerreißend, es hat eine Tragik wie aus dem Englischen Patienten.

Nur, einmal langsam jetzt: Wie sollen das denn eigentlich die anderen Abgeschossenen finden, die, die keine Bücher übers Fliegen geschrieben hatten?

4 Kommentare »

RSS Feed für die Kommentare dieses Eintrags. TrackBack URI

  1. Zu den anderen Abgeschossenen hatte er halt keinen persönlichen Bezug. Vermutlich hätte er auch nicht geschossen, wenn in dem Flugzeug ein persönlicher Bekannter gesessen hätte. Auf Anonyme schießt es sich leichter, und dann ist es eben doch “halt Krieg”: die meisten von uns hätten, wenn sie erst mal in so einer Situation gelandet wären, wahrscheinlich ähnlich gedacht und vielleicht gehandelt: jemanden, zu dem man eine Beziehung hat (und Schriftsteller können durch ihre Arbeit für viele Menschen einseitig eine persönliche Bezugsperson sein) verschont man, den Anonymen schießt man ab. Und das ist noch sehr menschlich; andere schießen bedenkenlos auf den eigenen Bruder, wenn er auf der “falschen” Seite steht.
    Wobei: ob er wohl auch einen Autoren verschont hätte, dessen Bücher er *nicht* mochte?

    Kommentar von xconroy — 20.03.2008, 21:02 #

  2. Ja eben, weißt Du, das frage ich mich auch.

    Kommentar von Malte Dahlgrün — 20.03.2008, 21:36 #

  3. Was wohl Herr de Saint-Exupéry an seiner Stelle gemacht hätte? Wenn er sich selbst im anderen Flugzeug gewähnt hätte?
    Hätte er nicht geschossen, man könnte ihn vielleicht fragen.

    Kommentar von Falk Lüke — 23.03.2008, 23:20 #

  4. Kriegt stinkt.

    Kommentar von LZA — 07.04.2008, 20:25 #

Kommentar

XHTML: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>