Lob der New York Times, Part II

nyt-munition.pngGestern und heute berichtete die New York Times über ein Waffengeschäft wie aus einem Satireroman. Demnach hat ein 22-Jähriger einen 300-Millionen-Dollar-Auftrag vom Pentagon bekommen, um für den Kampf gegen den Terror Waffen nach Afghanistan an die dortigen Streitkräfte zu liefern. Anstatt ordentlicher Munition lieferte die in Miami ansässige Firma allerdings mehrere Jahrzehnte alte Munition aus chinesischer Produktion, die man irgendwo im ehemaligen Ostblock zusammenkaufte, bevor sie verschrottet werden konnte.

Die Geschichte basiert auf einer mehrmonatigen Recherche und ist voller irrer Wendungen: Es gibt einen Vizepräsidenten, der eigentlich Masseur ist, natürlich einen Schweizer Waffenhändler als Mittelsmann (wie in Kir Royal), es gibt explodierenden Waffenschrott, und es gibt korrupte albanische Politiker. Obwohl die New York Times haarklein nachweist, dass der Waffen-Twen aus Miami gegen den Vertrag verstoßen hat, darf er wohl weiter liefern (bisher ging Schrott für 150 Millionen Dollar nach Afghanistan) – nur von zukünftigen Aufträgen wurde die Firma ausgeschlossen. Die NYT widmete der Story zwei volle Seiten, die zum Besten gehören dürften, was in diesem Jahr an investigativen Geschichten veröffentlich wurde.

In Deutschland haben sich manche Medien des Themas angenommen. Zum Beispiel Spiegel Online, wo man aber schon im ersten Satz einen dicken Fehler einbaut: “Eine vom Pentagon beauftragte US-Firma hat über 40 Jahre lang alte Waffen und Munition nach Afghanistan geliefert” heißt es da. Dabei hat die Firma nicht 40 Jahre lang, sondern 40 Jahre alte Munition geliefert, und zwar seit 2007.

Gespannt darf man mal sein, ob die Geschichte in der New-York-Times-Beilage der Süddeutschen Zeitung nachgedruckt wird. Denn wenn nicht diese Geschichte, weiß man nicht, welche es verdient hätte.

1 Kommentar »

RSS Feed für die Kommentare dieses Eintrags. TrackBack URI

  1. Seit mindestens 19 Jahren Tagen steht nun bei Spiegel-Online, die Firma würde seit 40 Jahren liefern.

    Kommentar von Alberto Green — 17.04.2008, 11:29 #

Kommentar

XHTML: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>