Nieder mit dem End-Geld

Das muss ein Ende haben, er muss doch einmal wirklich ein Ende haben, dieser unsägliche Deppensprech-Spuk, bei dem “Entgelt” auf der ersten Silbe betont wird. Als schriebe es sich “Endgeld”. Als klänge es wie das andere irre Wort.

Ich frage mich ernsthaft, ob das nur mein Eindruck ist: Hat sich dieser Quatsch erst in jüngeren Jahren verbreitet? Oder ist das vielleicht vor allem ein Berliner Problem?

Letztens “Éntgelt” gehört: auf der Post, bei der Aufgabe eines Päckchens, es war auch noch eine von diesen gerne belehrenden Spießerangestellten, die da “Éntgelt” sagte. Und am nächsten Tag dann wieder gehört, mehrmals, von einer Nachrichtensprecherin auf dem öffentlich-rechtlichen InfoRadio. Und heute, ja: heute wieder, auf einem der Hauptsymposien beim Blogger-Kongress re:publica. Da war eine ARD-Vertreterin anwesend, die sprach auch von einem Éntgelt.

Warum tun die das? Können nicht einmal öffentlich-rechtliche Nachrichtensprecher und Honoratioren drei Sekunden lang nachdenken und sich überlegen, was “ent-” bedeutet? Ich begreife überhaupt nicht, wie sich dieser Quatsch schon so weitgehend einbürgern konnte.

“Entgelt” endet auf “t” und beschreibt keine Geldart. “Ent-” ist ein Derivationsmorphem, mein Gott – seit wann werden denn bitte Derivationsmorpheme am Wortanfang bétont? Klingt das nicht vérblödet und béhämmert? Ist da niemand éntgeistert?

10 Kommentare »

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  1. Herrlich, wie sich jemand über diese falsche Betonung aufregen kann. Geht mir immer wieder genauso. Aber meistens stoße ich in meiner Umgebung damit auf totales Unverständnis: Wie man sich nur so über etwas so Belangloses aufregen kann…
    Weitere Beispiele für falsche Aussprache oder Betonung: Kónsens, Codex auréus, Obulus, Reperatur. Nicht zu reden von den vielen falschen Schreibweisen. Sehr beliebt und vom Duden inzwischen sanktioniert: Der Deppen-Apostroph (Gabi’s Frisörsalon). Ich bin überzeugt: Wir schlagen im Kampf gegen die Sprachverschlamperung nur noch Abwehrschlachten.

    Kommentar von Uli — 04.04.2008, 20:26 #

  2. Uli, über die Betonung der Fremdwörter, die Du nennst, würde ich mich auch nicht aufregen. Bei “Konsens” wird ein Fremdwort eben den deutschen Betonungsregeln angepasst. Solche Eindeutschungen sind völlig okay, sogar wünschenswert. Ich will ja auch nicht mehr “Cigaretten” lesen, usw.

    “Entgelt” ist eine andere Angelegenheit, das ist ein natives Wort, das mit einem Initialakzent einfach erkennbar hirnrissig ausgesprochen ist. Man vergleiche: “Das ist von Bélang.” “Er ist auf Éntzug.” Das muss doch wehtun.

    Kommentar von Malte Dahlgrün — 06.04.2008, 14:59 #

  3. Lustig ist ja, dass diese Menschen, die solche eher seltenen Wörter benutzen, ganz schlau erscheinen wollen. Dasselbe Phänomen taucht bei dem Wort “alldieweil” auf, das fast immer falsch benutzt wird, nämlich einfach für “weil” statt für “während”.

    Kommentar von Oliver Gehrs — 06.04.2008, 19:59 #

  4. @malte und @oliver: Stimmt, mir sind in erster Linie falsch ausgesprochene Fremdwörter eingefallen. Wörter, mit deren Gebrauch sich jemand wichtig machen will (schöne Beobachtung, trifft absolut zu). Aber die Tatsache, dass Malte sich schon gar nicht mehr über so falsche Betonungen aufregt, bestätigt mich doch irgendwie in der These, dass wir nur noch Abwehrschlachten schlagen (Achtung: Ich bin kein notorischer Rechthaber und gehöre auch nicht zu denen, die die deutsche Sprache vor allen Fremdwörtern und Anglizismen auf Teufel komm raus bewahren wollen!).

    Kommentar von Uli — 07.04.2008, 8:22 #

  5. Ja, so was greift wie die Pest um sich. Ich grusele mich immer, wenn es heißt: “Im Juni diesen Jahres” statt “dieses Jahres” – scheinbar folgerichtig, weil es doch auch heißt: “vergangenen Jahres” – Mann, Mann, Mann! Und demnächst haben wir dann Geburtstag am “15. diesen Monats”. Sogar auf NDR Info sind sie schon von diesem und anderen Sprachviren befallen. (Ach, deshalb wohl: “Language is a virus”!!!)

    Kommentar von Steffen65 — 08.04.2008, 14:28 #

  6. Und dann sind da noch die Leute, die “der Virus” sagen… Endlich mal ein Blog, in dem ich das Wort “Derivationsmorpheme” höre. Freue mich schon auf “Diathesenwahl”

    Kommentar von Alberto Green — 16.04.2008, 15:33 #

  7. @ Alberto Green: Ja, ein zornig herausgehauener Blogeintrag, wie er hier eher untypisch ist, bei dem dann aber ein schmutziges Wort wie “Derivationsmorphem” herausrutscht. Ich würd’s nochmal so sagen, auch wenn’s wehtut, da müssen dann halt alle Leser durch…

    Kommentar von Malte Dahlgrün — 18.04.2008, 19:14 #

  8. Kennt ihr noch Beispiele für eine falsche Betonung von Fremdwörtern, ich schreibe darüber gerade eine Hausarbeit, aber die Literaursuche gestaltet sich sehr schwierig und falsche Beispiele für einen Nachweis zu finden ist noch komplizierter.
    Vielleicht fällt euch noch was ein. Auch Literaturempfehlungen wären hilfreich. Wer Derivationsmorphem schreibt, kennt sich da vielleicht aus????!!!!

    Danke, Sanne.

    Kommentar von Sanne — 18.06.2008, 20:38 #

  9. Das Schlimmste ist “Vancouver”. Ich habs noch nie richtig ausgesprochen gehört. Der Gründer hieß Vancouver, wird selbstverständlich auf der zweiten Silbe betont (wie Van Nistelroy). Ich begreife nicht, dass kein einziger Journalist, der jetzt über die Olympiade berichtet, um diese richtige Aussprache weiß. Die sind doch vor Ort und hören dort das Wort richtig. Wenn sie zuhören.

    Kommentar von Frank Müller — 08.02.2010, 13:58 #

  10. Genau genommen berichten sie zumeist natürlich von den Olympischen Spielen und weniger vom Zeitraum zwischen zwei solchen.

    Kommentar von Alexander — 17.03.2010, 16:44 #

Kommentar

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