Übersetzungselend

Hier kommt die Königin aller Deppenübersetzungen.

Der Nordamerikaner sagt:
—- “He is smart.”

Der deutschsprachige Journalist nun übersetzt — und ich glaube, irgendwann mache ich den Quatsch nicht mehr mit:
—- “Er ist smart.”

Mit atemberaubender Zuverlässigkeit ist dieser Schwachsinn in hiesigen Qualitätsmedien zu lesen, wenn Amerikaner interviewt oder Übersetzungen ihrer Texte abgedruckt werden. Obwohl es einfachstes amerikanisches Englisch ist, das es da zu übersetzen gilt. Schlimmer ist vielleicht gerade noch die “Diät”-Sache aus meiner Leib-und-Magen-Zeitung, von der hier im Februar die Rede war.

Es juckt einen auch nicht einmal ansatzweise in den Fingern, irgendwelche neuerlichen Anlässe für diesen Eintrag zu benennen. Denn es gibt kaum ein Medium, das diesen Deppenfehler nicht ständig von neuem begeht.

Eine klare Durchsage ist da mal nötig, auch an die Kollegen, die hier mitlesen: Der Amerikaner meint so gut wie nie etwas anderes als “intelligent”, wenn er “smart” sagt. Die beiden Ausdrücke werden meist exakt bedeutungsgleich verwendet – der eine Ausdruck ist förmlich, der andere alltagssprachlich und weitaus gebräuchlicher. Das ist alles. Jeder weiß das, der Amerikaner auch nur ein paarmal über kluge Menschen hat reden hören oder der überhaupt einen elementaren Englisch-Wortschatz beherrscht.

Im Deutschen dagegen heißt “smart” laut Wahrigs Deutschem Wörterbuch nichts anderes als folgendes, und diese Bedeutungserklärung muss doch einmal als abschreckende Kontrastmaßnahme in voller Länge zitiert werden. Schon weil die ganzen souveränen Übersetzer da draußen anscheinend selbst nie zu Wörterbüchern greifen:

smart [Adj.] hübsch, elegant, und dabei gewandt u. schneidig, liebenswürdig u. dabei geschickt u. durchtrieben

Es ist ein Rätsel, wie Profis, die auch noch den jeweiligen Sinnzusammenhang vor Augen haben, es immer wieder schaffen, diese Fehlübersetzung zustandezubringen. Man könnte einen Finderlohn für Beispiele aussetzen, in denen “smart” in einer deutschen Übersetzung aus dem Amerikanischen einmal zurecht verwendet wurde.

Ein Einzelfall ist das mit “smart”–”smart” nicht. Englisch-deutsche Übersetzungen sind ein Elendsviertel des hiesigen Journalismus. Und dabei ist doch offensichtlich: Hier geht es nicht um besserwisserische Sprachpedanterien. Es geht um die inhaltliche Substanz. Wahrscheinlich machen wir das jetzt wie in der Sesamstraße hier: Kleine Fortsetzungen folgen. Und jedesmal lernen wir eine neues Wort.

19 Kommentare »

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  1. Ja, und wenn in einem übersetzten Text die Rede ist von einer “Billion”, dann kann man sich darauf verlassen, dass im Original eine Milliarde gemeint war… nojo.

    Kommentar von Bjoerncologne — 08.04.2008, 16:36 #

  2. Bitte nicht! Keine Fortsetzungsgeschichte!
    Bloß nicht dieses Blog zu einem Blog verkommen lassen, das auf den Kleinigkeiten der Anderen herumstochert. Wäre schade drum.

    Kommentar von Jan — 08.04.2008, 16:37 #

  3. Hey, Du smarter Weiß-es-all! Derjenige, mit dem der Reporter geredet hat, hat gerade mit ihm über sein kleines Auto gesprochen, welches jetzt neu in den USA eingeführt wurde. Und wieseo, verdorri nochmal ist unsere Abkürzung für die Vereinigten Staaten von Amerika “USA” und nicht “VSA”?

    Kommentar von Smartfahrer — 09.04.2008, 1:57 #

  4. @ Björncologne: Du sprichst mir aus der Seele mit der “Billion”. Noch so ein Topkandidat. Aber Gottchen: Was ist denn schon der Faktor 1000? Was sind schon völlig entstellte Aussagen über die mentalen Eigenschaften von Personen? “Kleinigkeiten”. Ich frage mich gelegentlich, mit welcher Haltung manche Leute überhaupt Non-fiction-Texte in den Medien konsumieren, wenn es ihnen eh auf nichts ankommt.

    (@ Jan: Ich will sowas nicht regelmäßig breittreten, aber kurz notieren muss man manches schon. Wir hatten hier schon mal überlegt, ein Kleinformat am linken Rand für kurz Notiertes zu schaffen. Mal schauen.)

    Kommentar von Malte Dahlgrün — 09.04.2008, 3:01 #

  5. tja, wir “können” eben alle Englisch.

    Kommentar von leonie — 09.04.2008, 10:43 #

  6. [EDIT: Mitteilung zu Körperfunktionen gelöscht.]

    Kommentar von buntzel — 09.04.2008, 10:49 #

  7. Ich finde, dass “smart” mit seiner Bedeutung hinsichtlich Intelligenz inzwischen eingedeutscht ist, diese Entwicklung aber noch nicht in den Wörterbüchern angekommen ist.

    Kommentar von Henrike — 19.04.2008, 14:06 #

  8. Henrike, hast Du jemals einen Deutsch-Muttersprachler jemanden als “smart” bezeichnen hören, wenn er schlechterdings “klug”, “intelligent” meinte? Ich in meinem ganzen Leben noch nicht.

    Kommentar von Malte Dahlgrün — 19.04.2008, 14:24 #

  9. Hmm. Vielleicht habe ich mich zu sehr von der Werbung leiten lassen: Das Auto smart soll auch für intelligentes Fahren in der Stadt stehen und Ratiopharm war einst mit der Kampagne “sei smart – fahr rad” unterwegs. Und da ich schon immer wusste, wofür smart im Englischen steht, hatte ich mir der Verwendung im Deutschen noch keine Probleme…

    Kommentar von Henrike — 19.04.2008, 19:51 #

  10. And what about my smarties? Machen die mich jetzt intelligent oder schneidig-fesch? Oder einfach nur fett?

    Kommentar von ratzeputz — 20.04.2008, 9:20 #

  11. Aus aktuellem Anlass muss ich Henrike Recht geben: Smart im Sinne von intelligent halte ich auch für eingedeutscht. Kenne ich so aus zahlreichen Krimiübersetzungen.

    Kommentar von malucca — 24.04.2008, 11:31 #

  12. @ malucca: Das halte ich jetzt doch für einen Rückschritt. Ich hatte gedacht, Henrike sei von ihrer ursprünglichen Einschätzung nach meiner Antwort selbst nicht mehr überzeugt gewesen. Ich kann Dir nur dieselbe Rückfrage stellen. Um das vielleicht noch zu ergänzen:

    Umso schlimmer für miserable Krimiübersetzer, dass sie die Bedeutung von “smart” für so speziell halten, dass sie meinen, es könne im Deutschen nur durch “smart” übersetzt werden. Das zeigt einfach, dass sie das Wort im Amerikanischen nicht verstanden haben.

    Welcher Deutsch-Muttersprachler sagt denn bitte: “Unter Physik-Nobelpreisträgern sind viele verklemmte Nerds, aber alle sind extrem smart”. Oder: “Chomsky ist einer der smartesten Menschen auf dem Planeten”. Sätze wie diese, die man im Amerikanischen ständig hört, sind dort vollkommen natürlich und eindeutig: Sie handeln einfach von Intelligenz. Im Deutschen wäre das dagegen schlichtweg Blödsinn. (Im besten Fall noch eine lächerlich aufgeblasene und überflüssige Anleihe im Amerikanischen.) Kein Mensch redet so. Ich begreife gar nicht, wie das überhaupt zur Diskussion stehen kann.

    Kommentar von Malte Dahlgrün — 25.04.2008, 1:26 #

  13. Heute in Spiegel Online:

    “jung, smart, flexibel, formbar, so wünschen sich Personalchefs den Absolventen der Zukunft.”

    Damit ist sicherlich nicht gemeint, dass die Personalchefs sich den Absolventen “gutaussehend” und “durchtrieben” wünschen, sondern eben eben in der ursprünglichen Bedeutung des Wortes eben – intelligent.(Ist im Übrigen auch nicht übersetzt worden)
    Auch in meinem passiven Wortschatz gibt es smart sowohl in der einen wie in der anderen Bedeutung. Es kommt halt immer auf den Kontext an.

    Kommentar von fe — 28.04.2008, 20:00 #

  14. @ fe: Den Wörterbuch-Eintrag aus dem Wahrig halte ich auch nicht für super, das ist sicherlich nicht in Stein gemeißelt. Worauf es mir ankommt, ist, dass im Deutschen was ganz anderes als einfach “intelligent” mit “smart” gemeint ist.

    Zentral ist doch, dass “smart” im Deutschen eine Art von Auftreten impliziert. Da geht es um eine Gewandtheit und Selbstsicherheit im Auftreten. Und dazu ist das SPON-Zitat kein Gegenbeispiel — im Gegenteil, es passt m.E. sogar sehr gut rein.

    Kommentar von Malte Dahlgrün — 28.04.2008, 21:00 #

  15. Ein wichtiger Aspekt noch: Angenommen, einige Deutsch-Muttersprachler verwenden “smart” tatsächlich auf eine Weise, in der der Ausdruck nichts anderes als “schlau”, “klug”, “intelligent” bedeutet. Die Verwendung dieses Wortes wäre dann nicht nur überflüssig, sie würde sogar Unklarheiten erzeugen. (Erst recht bei Übersetzungen aus dem Amerikanischen.) Ich gehe erstmal davon aus, dass Leute, die im Deutschen “smart” verwenden, diese sprachökonomische Tatsache stillschweigend anerkennen — und dass es deshalb wahrscheinlich ist, dass sie schon noch etwas anderes als nur “schlau”/”intelligent” meinen, wenn sie im Deutschen “smart” verwenden.

    Kommentar von Malte Dahlgrün — 28.04.2008, 21:23 #

  16. Wer weiß, vielleicht ist die konsequente Übersetzung von smart(englisch) mit smart(deutsch), nur der Versuch smart aus dem Kontext der Erzählung mit der ursprünglichen, englischen Bedeutungsebene (intelligent) zu konnotieren und so eine unterbewußte Umdeutung des Begriffs im deutschen vorzunehmen. ;)

    Nee quatsch, hast ja irgendwie (ein bischen aber nur) Recht…

    Kommentar von fe — 29.04.2008, 0:49 #

  17. Das parenthetische “ein bisschen aber nur” ist ja eine massive Einschränkung — dafür hätte ich dann zumindest ein neues Argument erwartet. :)

    Kommentar von Malte Dahlgrün — 29.04.2008, 1:16 #

  18. Argumente sind aus, ich hätte noch ein wenig Polemik im Angebot ;)

    Kommentar von fe — 30.04.2008, 0:03 #

  19. Bei “Leo” steht für “smart” ebenfalls kein “intelligent”:
    elegant
    fesch gerissen gerissenerweise geschickt
    gewandt
    gewieft
    gewitzt
    klug
    patent
    pfiffig
    schick
    schlau
    der Schmerz
    schmuck
    smart

    Kommentar von Jeeves — 17.11.2009, 14:48 #

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