Rezensentenkritik: So geht es auch
Als ich mich vor anderthalb Wochen an den Blogartikel über den Hörisch-Amoklauf im Meta-Feuilleton machte und an einer Stelle bemerkte, Burkhard Müller könne durchaus wieder härter trainieren, da hatte ich auch eine kuriose Leserbriefseite aus der SZ vom 08.04.2008 im Hinterkopf. Dort war die Hölle los gewesen; es war eine ungewöhnlich markige Zusammenstellung von Zuschriften eines ganzen Monats zu literarischen und sprachlichen Themen. Und in der rechten Randspalte antwortete der junge Großschriftsteller Daniel Kehlmann auf Burkhard Müller. Dabei zeigte er ganz nebenbei, unbemerkt von der breiteren Kulturöffentlichkeit, wie es richtig geht – wie sie auch aussehen könnte, so eine Rezensentenkritik.
In seiner Besprechung einer kürzlich erschienenen Biographie des Mathematikers Gauß (SZ vom 01.03.2008) hatte Burkhard Müller ein paar Seitenhiebe gegen Kehlmanns Klassiker Die Vermessung der Welt ausgeteilt: Er beklagte, in Kehlmanns Umgang mit den historischen Fakten “streift die dichterische Freiheit an die entstellende Schlamperei”. Und er lobte den Gauß-Biographen Hubert Mania (der heißt wirklich so) unter anderem dafür, dass er Kehlmann im “umsichtigen Gebrauch der Quellen” übertreffe.
Kehlmann erteilte Müller dann mal eine kleine Lektion in Sachen “umsichtiger Gebrauch mit den Quellen”, und er setzte ohne peinliches Rumgefuchtel eine Handvoll präziser Schwinger an, die Müller geradewegs auf den Ringboden beförderten:

Was für eine runde kleine Sache, dieser Leserbrief. Da hat jemand die Fakten im Griff, da macht einer nicht auf Klaus Kinski oder Jochen Hörisch, sondern macht eine redundanzfreie, deutliche und dennoch souveräne Ansage – und man wird auch davon ausgehen können, dass er in der Cc-Zeile seiner E-Mail nicht mit den Big Shots aus seinem elektronischen Adressbuch herumgewedelt hat.
Wenn man mal kurz träumen darf – was könnte das wohl für ein schönes Celebrity-Deathmatch der zeitgenössischen Germanistik sein: Daniel “Big Time” Kehlmann vs. Jochen “Bananas” Hörisch.
2 Kommentare »
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Kommentar


[EDIT: An den Troll, der sich hier unerkannt vorkommt: Für Ihre abstrusen und wirren Hass-Postings ist hier kein Platz, mit so etwas befasse ich mich nicht. Und verschonen Sie uns mit diesen dämlichen Nachträgen, das hatten wir ja schon im März. Ihre Fähigkeiten scheinen ja zurecht nirgends gefragt zu sein - aber weshalb sitzen Sie dann bei dem schönen Wetter vor der Kiste und schieben Frust?
Diese Ansage im Kommentarfeld ist nur nötig, weil Sie natürlich zu feige sind, eine korrekte Mail-Adresse anzugeben. Aber Sie werden's lesen, so gründlich, wie Sie sich mit uns gerade befassen, da bin ich mir sicher. Schönes Wochenende noch, und passen Sie mit dem Alkohol auf.]
Kommentar von [gelöscht] — 26.04.2008, 15:09 #
Guter Witz: Während der Troll hier seine Identität mit dem Kerl vom vergangenen Monat leugnet, gibt er bei seinen vielfach wiederholten Spam-Postings unter verschiedenen Namen gerade versehentlich dessen Mail-Adresse ein.
Für diese Spamflut, die sich bestimmt noch fortsetzen wird, bedanke ich mich herzlich: Der Fall ist jetzt klar, da handelt es sich um einen psychisch auffälligen Menschen. [22:53 Uhr]
Kommentar von Malte Dahlgrün — 26.04.2008, 22:53 #