So ein humanglobaler Zufall!
Schön sieht es aus, das neue Magazin Humanglobaler Zufall, das dem Axel-Springer-Verlag nach dem Verscheiden des Freundes als kleines Feigenblatt gilt, damit sich der tendenziöse Kram des Verlages wie etwa die momentane Pro-Tempelhof-Kampagne unbeschwert verkaufen lässt (die mit einer unglaublichen Vehemenz für die wenigen Geschäftsflüge nach Graz, Friedrichshafen oder Brüssel kämpft, dass man sich fragt, ob es nicht eher um einen günstig gelegenen Flughafen für die Geschäftsflüge der Springer-Manager geht, die ja ganz in der Nähe in ihren Büros sitzen).
Jedenfalls sieht das neue Magazin, das aus dem Wettbewerb “Scoop!” hervorgegangen ist, so schön aus wie das Tintin-Heft “Coke en stock” (1958 erschienen; auf deutsch: “Kohle an Bord”) – und es ist ja auch ganz im Sinne Tintins angelegt: Mit der Lust am weltweiten Abenteuer.
Davon hat man auf der gestrigen Launch-Party im Berliner Münzsalon aber nicht wirklich etwas gespürt. Dort rannten alle mit Namensschildchen herum und irgendwie setzte sich so die devote Haltung des Chefredakteurs Dennis Buchmann fort, der im Editorial des neuen Heftes berichtet, wie er sein Konzept im Axel-Springer-Verlag vorstellte und ihm angesichts der “14 Topleute aus den verschiedensten Kreativbranchen” eine “Gänsehaut den Nacken hochkroch”. Dabei ist es doch eher so, dass die einfallslosen Verlagsmanager froh sein können, wenn Ihnen jemand eine schöne Magazin-Idee serviert, die sie schon lange selber nicht mehr hatten. Und die Idee von Humanglobaler Zufall ist ja auch bestechend: Geschichten über Menschen in aller Welt zu erzählen, die zu Geschichten über andere Menschen in aller Welt überleiten. Deswegen folgt hier bald eine ausführliche Rezension.
Eines fällt aber jetzt schon auf: Der Verlag unterstützt das Projekt mit einer halben Million Euro, was eine Menge Geld für drei oder vier Ausgaben ist – vor allem, wenn der Chef, in diesem Falle Buchmann, vieles selber schreibt. Dennoch heißt es im Editorial, Buchmann danke allen Beteiligten, “obwohl es nicht viel zu verdienen gibt”. Wo bleibt denn bloß das ganze Geld? Hat das alles der Artdirektor Mirko Borsche bekommen?
9 Kommentare »
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Kommentar


Ist vermutlich zu großen Teilen in die Findung eines “tollen” Namens geflossen.
Kommentar von Alberto Green — 23.04.2008, 13:55 #
Kleiner Tippfehler: Es heißt “Coke en stock”.
Kommentar von Joe Kroll — 23.04.2008, 16:21 #
Merci, Joe Kroll. Da hatte ich wohl beim Schreiben anstatt Carla Sarkozy gerade eine New Yoker Band im Ohr….
Kommentar von Oliver Gehrs — 23.04.2008, 16:26 #
So so, Herr Gehrs war im Münzsalon. Wo sie sich nicht alles rumtreiben…
Kommentar von Michael — 23.04.2008, 19:46 #
Da stand nun aber noch “en stoke”, Oliver.
Habe das und ein paar Details ausgebügelt.
Kommentar von Malte Dahlgrün — 23.04.2008, 22:31 #
Na, Herr Gehrs, wieso haben Sie denn nicht mal Hallo gesagt, gestern Abend? Hätt mich gefreut, ich find Dummy doch gut. Ich hab Sie aber irgendwie nicht gesehen. Jedenfalls ist das mit dem “devot” ein Missverständnis, ich war einfach nur tierisch aufgeregt, das ist so eine Veranlagung von mir, wenn ich vor welchen Leuten auch immer reden soll. Gabs ja auch gestern im Münzsalon zu sehen, als ich eine “Rede” gehalten hab.
Kommentar von dennis buchmann — 24.04.2008, 13:56 #
Lieber Dennis Buchmann. Ich war doch der am Eingang – mit dem Hut und der guten Laune.
Kommentar von Oliver Gehrs — 24.04.2008, 17:05 #
Höre ich in dem Eintrag übrigens raus, dass Du gegen den Erhalt des Flughafens Tempelhof bist? Vielleicht erinnerst Du Dich noch daran, dass wir letzten Sommer einmal verabredet hatten, uns auf ein Pils vor dem wunderschönen Zaunabschnitt zu treffen, wo man den Flugzeugen beim Starten und Landen zusehen kann. Hättest Du das einmal bei gutem Wetter erlebt, dann wärst Du jetzt zumindest traurig über die Idee der Schließung.
Übrigens: “Pro-Tempelhof-Kampagne” verlinkt derzeit nur auf die BZ-Homepage. Da sehe ich aber nix.
Kommentar von Malte Dahlgrün — 25.04.2008, 3:07 #
@ Malte: Lieber Malte, im Dummy-Büro ist die Tempelhof-Gegnerschaft in der Tat sehr ausgeprägt, weil das Ganze nämlich am Kern vorbeigeht. Weshalb ich hier schonmal vorab verkünden darf, dass wir in Kürze die Bürgerinitiative “Rettet Tegel” starten werden. Denn Tegel ist in Wirklichkeit die Mutter des modernen Flughafens (bisher leider ohne Nachwuchs), Tempelhof ist wenn überhaupt die Uroma. Deswegen werden wir auch zum Erscheinen des nächsten Heftes zum Apéro in den “Red Baron” laden, und da können wir dann auch alle ein Bier trinken, bevor die letzte Maschine der Swiss uns dann um 19.55 nach Zürich bringt.
Kommentar von Tobi — 25.04.2008, 15:27 #