Bloggerbeiträge offline / Knutschen, bis der Arzt kommt

Das SZ-Feuilleton brachte am Freitag, den 02.05., eine ganze Seite, auf der Blogger aus Ländern berichteten, in denen es mehr oder weniger schlecht um die Pressefreiheit steht: Birma, Iran, Saudi-Arabien, Weißrussland, Russland, und auch Italien. Die Texte waren unterschiedlich gehaltreich, insgesamt aber gar nicht uninteressant. Bis heute steht nichts davon auf sueddeutsche.de.

Ist das eigentlich Absicht oder ein Versehen? Und wenn das Absicht ist: Kann mir mal jemand erklären, wie das irgendeinen Sinn ergeben soll, dass ausgerechnet solche Inhalte nicht in den Onlineauftritt der SZ eingehen?

Eines noch, da gerade meine PDF-Ausgabe der SZ vom Freitag geöffnet ist. Auf der Wissensseite war diese “Zehn Dinge”-Kuriositätenrubrik wieder kein Anlass zur Freude. Diesmal ging’s ums Küssen:

Das Kiss-Syndrom steht für Kopfgelenk induzierte Symmetrie Störung. Es bezeichnet eine Fehlfunktion im Bereich der Halswirbelsäule.

Was ist depperter: Dass sich das Syndrom selbst bezeichnen soll? Oder der frei zügige um Gang mit leer Zeichen? Ich ent scheide mich für letzt eres.

Außerdem wird der Bonobo als “Zwergschimpansenart” vorgestellt, obwohl Bonobos und Zwergschimpansen dasselbe sind. Und dann wird uns noch erzählt, ein durchschnittlicher Mensch verbringe “in 70 Jahren Lebenszeit etwa 110.000 Minuten mit Küssen”. Zusatz: “Das sind mehr als 76 Tage – am Stück.” Ja genau. Leute. Macht doch mal wenigstens eine kleine Plausibilitätsprüfung, wenn ihr schon keine noch so obskure Studie zitiert.

Vielleicht sollte man diese Rubrik auf der SZ-Wissensseite umbenennen.
Von “10 Dinge, die Sie noch nicht wissen über X” in: “10 Dinge, die ich gerade zusammengegoogelt habe über X (und von denen ich nicht weiß, ob sie stimmen)”. Aber: Ich will nicht groß rumwettern; in den letzten Wochen und Monaten standen ja ansonsten ziemlich viele großartige Stücke in der SZ.

Dieser Beitrag wurde unter Sinn & Verstand, SZ, Wissen abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten auf Bloggerbeiträge offline / Knutschen, bis der Arzt kommt

  1. Uli sagt:

    Könnte es sein, dass die SZ nicht das Urheberrecht zur Online-Verwertung der Texte erworben hat? Klingt zwar zugegebenerweise komisch bei Bloggern, könnte aber doch sein. Oder könnte es vielleicht sein, dass die SZ bewusst Texte nur in Print veröffentlicht (auch solche übers Internet), um den reinen Printlesern (und Print-Redakteuren) zu zeigen, dass sie nach wie vor wichtig sind? Man glaubt ja gar nicht, was in manchen Zeitungshäusern so alles diskutiert wird.

  2. Die Möglichkeit, das könne am Urheberrecht gelegen haben, halte ich für ausgeschlossen. Ich schreibe selber manchmal für die SZ, und als Autor unterschreibst Du da vor der ersten Honorarzahlung einen Einheitsvertrag, mit dem alle Nutzungsrechte, die Du Dir vorstellen kannst — und auch alle, auf die Du nicht gekommen wärst — eingeräumt und als abgegolten anerkannt werden. Dazu zählt natürlich auch die Onlinenutzung.

    Gut vorstellbar, dass Joschka Fischer oder ein Obama-Berater die Bedingungen diktieren, wenn sie einen außenpolitischen Kommentar auf der Seite 2 veröffentlichen lassen — aber bei einem Blogger-Nobody aus Saudi-Arabien oder Birma kannst Du das locker vergessen. Nicht nur, weil die froh sind, überhaupt gedruckt zu werden. Im Standardfall wird eh von der Einräumung aller Nutzungsrechte ausgegangen. Das wird erstmal in der Zeitung abgedruckt, und wenn man dann ein Honorar überwiesen bekommen will, dann muss man schon das ganze Paket des Urheberrechtsvertrags akzeptieren, take it or leave it. Da kannst Du keine Häkchen bei unliebsamen Klauseln wegklicken.

    Und ansonsten: Natürlich ist extrem viel in der SZ-Printausgabe, das nicht online steht. Der größere Anteil von allem Lesenswerten sogar, das wird allgemein sehr unterschätzt. Unter anderem deswegen (aber nicht nur deswegen) lese ich ja das e-Paper (PDF) oder die Papierausgabe.

  3. Ach, und zur Motivation für diese Print-only-Vorgehensweise: Liegt die nicht auf der Hand? Ich habe hier immer schlicht wirtschaftliche Überlegungen vermutet: Man möchte den Lesern keine Argumente für den Kauf der Printausgabe nehmen. Emotionspsychologische Überlegungen vermute ich da weniger.

    Aber wie angedeutet, das Absurde ist doch, dass ausgerechnet bei Bloggerberichten aus aller Welt dann auf print-only geschaltet wird.

    Do legst di nieda, wie man in der Region wohl sagen würde.

  4. brame sagt:

    Limewire will not install on my new laptop for some reason and I need free music FAST! Thankyou xoxo

    ________________
    unlock iphone 3gs