Neulich konnte man im Berliner „Tagesspiegel“ lesen, wie schlecht es den Redakteuren der „Berliner Zeitung“ unter dem Finanzinvestor David Montgomery, der die Zeitung ganz offensichtlich kaputtspart, geht. „Nicht einmal ordentlich im Netz recherchieren“ könnten die Mitarbeiter, „weil viele Anwendungen auf den veralteten Computern nicht laufen.“ Es existiere ein „massiver Investitionsstau in der Holding, der mit einem Exodus leitender Mitarbeiter in Redaktionen und Verlag einhergeht. Wer nicht freiwillig seinen Platz räumt, wird gegangen.“ Die Auflage des Blattes sei unter dem Cheverolet-Corvette-fahrenden Chefredakteur Depenbrock im ersten Quartal auf 171 893 Exemplare gesunken, die verkauften Abos seien um mehr als zehn Prozent zurückgegegangen – „vor allem, weil weniger Geld in die wichtige Abo-Werbung gesteckt wird.“
Einen Tag später berichtete auch die „Zeit“ vom Trauerspiel bei der „Berliner Zeitung“. Unter der markigen Überschrift „Eins in die Presse“ hieß es, dass die Mecom-Holding, der die „Berliner Zeitung“ gehört, „kein Verlag im herkömmlichen Sinne“ sei, „sondern eine Hülle, geführt von einem ehemaligen Medienmanager, der lauter Finanzinvestoren um sich versammelt hat.“ Der nun „zu erwartende Abbau bei der “Berliner Zeitung” sei „eine journalistische Amputation, die ihresgleichen“ suche.
Das ist natürlich sehr ehrenwert, dass die Kollegen den darbenden Redakteuren bei der „Berliner Zeitung“ im Kampf gegen die Heuschrecke so beispringen. Unbedingt erinnert sei hier aber noch einmal daran, wer eigentlich die „Berliner Zeitung“ an den englischen Finanzinvestor verkauft hat. Das nämlich war der Holtzbrinck-Verlag, in dem der „Tagesspiegel“ und auch die „Zeit“ erscheinen. Da es damals auch andere Angebote gab, etwa vom Verlagshaus DuMont, liegt die Vermutung nicht fern, dass es Holtzbrinck genauso wie Montgomery einzig und allein um`s Geld ging. Für ein paar Millionen mehr hat man die journalistische Amputation der „Berliner Zeitung“ eingeleitet.
Wie gesagt: Man muss sich das nur noch einmal vor Augen halten, wenn man nun in den Holtzbrinck-Blättern Zeilen voller Krokodilstränen vorfindet. Und wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum sich bei der „Berliner Zeitung“ so recht niemand über die Solidaritäts-Gesten der Kollegen freuen kann.
Der damals bei Holtzbrinck zuständige Manager, Michael Grabner, sagte übrigens unlängst über David Montgomery, dass er dem „aktuell keinen Gebrauchtwagen mehr abkaufen” würde. Als Gebrauchtwagenverkäufer hingegen könnte man sich Grabner sehr gut vorstellen.

Na ja, wenn die Welt so einfach wäre. Ich behaupte mal, dass die Redakteure bei Tagesspiegel und Zeit eigentlich gar nichts damit zu tun hatten, an wen Holtzbrinck seinerzeit was verkauft hat. Und es spricht ja nicht gegen Holtzbrinck, dass diese Redakteure ihre Soli-Adressen in redaktionellem Gewand abdrucken können.
Das ist reiner Blödsinn, was da steht. Holtzbrinck wollte die Berliner Zeitung nicht verkaufen, Holtzbrinck MUSSTE verkaufen, weil das Bundeskartellamt nicht zulassen wollte, dass den Stuttgartern zwei Zeitungen in der Hauptstadt gehören.
Nach allem, was man so weiß, wäre es der Berliner Zeitung unter den Schwaben sicher besser ergangen – auch wenn es möglicherweise Synergien mit dem Tagesspiegel gegeben hätte. Das hätte sich wohl eher auf dem Druck- und Verwaltungsbereich abgespielt, und weniger in den Redaktionen.
Herr Grabner, sind Sie´s? Klar musste Holtzbrinck verkaufen, aber nicht unbedingt an Montgomery, bei dem man nicht viel Fantasie brauchte, um sich vorzustellen, was mit der Berliner unter seiner Ägide passiert. Das Angebot von DuMont soll nicht sehr darunter gelegen haben. Fakt ist also, dass sich Holtzbrinck für eine Handvoll Dollar mehr für den publizistischen worst case entschieden hat.
Hallo Herr Gehrs, sind Sie´s?
Kürzlich habe ich den Dummy-Blog in meinen Newsreader reingenommen, aber nach der unsäglichen Neger-Troll-Kampagne und diesem Eintrag hier komme ich doch sehr ins Grübeln.
Wen interessiert dieses Lokalblatt aus – äh – Norddeutschland, und Ihre Meinung dazu, gefühlte 2 Jahre nachdem das “Thema” einfach durch ist?
Für was steht der Dummy-Blog eigentlich, ausser (missglückter) Eigenwerbung und (veralterter) Insider-News?
Alles schön und gut mit diesen “Aber guckt euch mal den Verlag an, aus dem das kommt”-Beiträgen. Aber: Hätte der tagesspiegel geschrieben, wie toll es bei der Berliner Zeitung wäre und daß man schon fast neidisch auf die Kollege sei, wäre der Aufschrei: “Guckt euch mal an, bei welchem Verlag dieser Artikel erscheint” wahrscheinlich eben so laut.
Es gab auch schon mal Spekulationen darüber, ob sich Holtzbrinck durch sein Vorgehen nicht eines missliebigen Konkurrentens entledigt hat, nach dem Motto: if you cannot join them, beat them.
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Man muss nicht GRabner heißen, um den Artikel Blödsinn zu nennen, Herr Gehrs.
So sehr ich Sie ansonsten auch schätze, aber hier haben Sie wirklich keine Glanzleistung geliefert.
Holtzbrinck, das ist bei einfacher Recherche überall nachlesbar, hat lange um die Berliner Zeitung gekämpft. Die WOLLTEN das Blatt haben.
Als das Kartellamt trotz aller Bemühung bis in die hohe Politik hinein die Konstruktion verboten hat, musste ein Käufer her.
Es entzieht sich meiner (und ich nehme an auch ihrer) Kenntnis, wieviel Montgomery und DuMont geboten haben, aber klar ist, dass unabhängig von dem Verkaufspreis für einen Konzern wie Holtzbrinck auch EIN Entscheidungskriterium sein MUSS, dass die eigenen Produkte geschützt werden, so gut es eben geht.
Dazu kommt: Montgomery ist selbst Journalist. Ich glaube nicht, dass jedem der handelnden Personen vollkommen klar war, wie sich das Spiel mit der Berliner Zeitung entwickeln würde. Das ist leider sehr oft nicht der Fall, selbst bei Weltkonzernen nicht, siehe Siemens und BenQ.
Also: Der Artikel liest sich ganz nett, ist aber im Kern einfach falsch. Sie können es besser.
im besten falle weiß holtzbrinck – anders als bekanntermaßen mecom – geschäftsführung und redaktion zu trennen. dann dürfen die redakteure auch mitleid zeigen. Sie gehen von der annahme aus, dass die redaktion inhaltlich die interessen des konzerns vertritt. ein fader beigeschmack bleibt natürlich.
Guten Tag Herr Gehrs,
nur eine Bagatelle aber warum in Gottes Namen schreiben sie ‘ums’ mit einem Apostroph?
Mit freundlichem Gruß
Ein aufmerkamer Leser