Schon wieder Tom Kummer: Story in DUMMY gefälscht!

Die „Neue Zürcher Zeitung“ widmete der Schweiz-Ausgabe von DUMMY neulich einen kleinen Artikel. „Das Gesellschaftsmagazin Dummy ist eine typische Berlin-Mitte-Marke: kreativ, chic und unabhängig, und es sieht gut aus“, hieß es da zunächst schmeichlerisch, aber dann weiter: „Schaut man genauer hin, ist die Aufmachung besser als das Produkt, wie so oft beim Berlin-Mitte-Chic.“
 
Lobenswert fand die Autorin Sieglinde Geisel aber das bern-deutsche Editorial und die Geschichte über den Fälscher Tom Kummer. Immerhin, so die NZZ, erfahre man in DUMMY einige Neuigkeiten von dem Schweizer Borderline-Journalisten. Dass er nämlich „in einem Club in Hollywood anderen Promis Tischtennis beibringt.“

Soso. Tischtennis also, obwohl im Artikel in DUMMY ausnahmslos von Paddletennis die Rede ist, das Kummer auch nicht in Hollywood sondern in Malibu betreibt. Damit hat es die NZZ geschafft, die einzigen Fakten, die in dem Artikel stecken, auch noch zu verdrehen. Dass Kummer in Malibu Paddletennis spielt, ist nämlich das einzig Wahre an der Geschichte, der Rest ist frei erfunden. So, jetzt ist es raus.

Nicht nur die NZZ ist darauf reingefallen, auch andere Rezensenten haben nicht gemerkt, dass Autor Oliver Geyer passend zum Thema einen echten Kummer abgeliefert und sein Treffen mit dem Fälscher komplett zusammenfantasiert hat. „California Dreaming“ eben – wie es schon in der Überschrift heißt.

Neben der Headline gab es noch andere Hinweise, dass das Thema dialektisch bearbeitet wurde. So griff Geyer auf das urtypischste aller Kummer-Stilmittel zurück – nämlich den exzessiven Einsatz von Promis. „Einmal hat Oliver Geyer Tom Kummer in Los Angeles besucht, dort schlaflose Nächte verbracht, Gwyneth Paltrow und Bruce Willis kennengelernt und Kummer beim, Popp, popp, popp,´ Tennisspielen beobachtet”, schrieb etwa Ronnie Grob anerkennend auf Medienlese.com. Soso. Gwyneth Paltrow und Bruce Willis also.

Kompliment an Geyer, der den Ton des Meisters perfekt getroffen hat. Offen bleibt, ob die nicht entdeckte Fälschung bedeutet, dass ein zweiter Kummer jederzeit wieder möglich ist. Hier auf jeden Fall für alle, die die Geschichte noch nicht gelesen haben, der poppige Anfang. Damit sich jeder ein Bild machen kann.

    “Popp, popp, popp, popp. Die gelben Bälle fliegen so schnell über das kleine Paddletennis-Feld, dass sie die ballistische Bahn von Gewehrkugeln beschreiben. Popp, popp, popp. Man sieht nur noch gelbe Streifen. Tom Kummer lässt es auch in seinem neuen Job als Paddletennis-Trainer im Jonathan Club at the Beach in Malibu richtig poppen, er macht Tempo. Er will das Letzte aus seinem Gegenüber herausholen, egal wer sich da abrackert. Heute ist es Bruce Willis, der alles geben muss. Die Sonne steht schon tief über den unwirklich hohen Palmen des Promi-Clubs in Malibu. Gegen Abend bläht sie sich immer noch einmal auf, taucht die Welt in Technicolor und versinkt im Pazifik. Der ganze Himmel ist orange. Hier ist aber auch alles larger than life, denkt der gejetlagte Europäer. Das kann doch nicht wahr sein.
    Der Actionheld hat aufgegeben, Bruce Willis wedelt mit dem triefenden Stirnband: „Lass uns besser noch zusammen einen Drink nehmen Tomás.“ Willis und Kummer kommen hoch auf die Terrasse und setzen sich zu mir. Die letzten Sonnenstrahlen leuchten die Szene perfekt aus. „Das ist Bruce, das ist Oliver, ein Freund aus Deutschland“, stellt Tomás uns vor. „Nice to meet you, Bruce.“ Da ist man 13 Stunden nach Los Angeles geflogen, um etwas über den wahren Tom Kummer zu erfahren, über das Leben unseres Schweizers in Hollywood, über den Bad Guy of German Journalism, der mit seinen gefälschten Promi-Interviews und Reportagen die heile deutsche Medienwelt in eine Identitätskrise gestürzt hat, und schon ist man Teil der Lüge. Für die Mitglieder des Clubs heißt Tom Tomás, kommt nicht aus Bern, sondern aus Brasilien und war immer Tennisspieler. Meine erste Frage, die mir während der Zwischenlandung in Zürich einfiel und klug erschien, muss ich erst mal stecken lassen: Sind alle Schweizer Lügner? Stattdessen gibt es Weibergeschichten von Bruce Willis.“

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9 Antworten auf Schon wieder Tom Kummer: Story in DUMMY gefälscht!

  1. Fabian sagt:

    Der Link zum Wikipedia-Artikel von Tom Kummer ist falsch gesetzt.

    Wird euch schon wieder angelastet aus Mitte zu kommen. Habt ihr das nicht neulich erst bestritten :)

  2. Pingback: medienlese.com » Blog Archiv » Dummy überrascht: Tom-Kummer-Story gefälscht!

  3. neo sagt:

    wow. was für ein scoop. nachdem es dann leider keiner gemerkt hat, muss man es selber “enthüllen”.

  4. Ping sagt:

    hui, welch ein STURM in der nussschale … äh, wasserglas. egal, eh alles gefälscht … beneidenswert, soviel tagesfreizeit und geld, nur um papier sinnlos zu bedrucken :-)

  5. jaruevo sagt:

    Toll, wie man aus nichts, noch mehr nichts machen kann! Die Idee war wirklich gut,leider ging der Pass trotzdem ins Aus…

  6. Pingback: The Art of the Prank » Blog Archive » Dummy Fakes Story about a Faker [English & German]

  7. mer sagt:

    and the beat goes on (s. pingback)

  8. Prado sagt:

    Man sollte, wenn man schon ein Blog unterhält, es auch regelmäßig bestücken. Das hier ist so halbherzig, erst werden dem Feuilleton großspurig seine Fehler unter die Nase gerieben, dann Stille, dann nur Selbstbezügliches, dann wieder Stille. Kommt da noch was?

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