Von der »größten Protestveranstaltungen gegen die Atomenergie in der Geschichte der Bundesrepublik« spricht die »Welt«, von einer der »größten Anti-Atom-Demonstrationen« die Fernsehsender in ihren Nachrichten am Wochenende, und »Spiegel.de« schwärmt von »120 Kilometer Widerstand«.
Nur die »Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung« bringt es fertig, dieses generations- und milieuübergreifende Aufbegehren gegen die von der schwarz-gelben Regierung geplante Laufzeitverlängerung mit keiner Silbe zu erwähnen. In der aktuellen Ausgabe stehen zwar die Ergebnisse der Fußball-Bundesliga und als Aufmacher auf der ersten Seite ein Stück aus dem Mittelalter (über die Geschichte der Fugger) – aber das politische Großereignis von gestern wird völlig ausgeblendet.
So ganz ist die Zeitung aber um das Thema Atom dann doch nicht herumgekommen. Im Politikteil gibt es dann doch eine ganze Seite, die die Problematik sehr gut auf den Punkt bringt. Man sieht darauf ein Fass mit Atommüll und darunter den Spruch »Wir haben ein Werk geschaffen, das die Pyramiden überdauern wird.« Diese Seite ist allerdings nicht redaktionell, sondern eine Anzeige des regenerativen Stromversorgers »entega«, für den der umtriebige Berliner Werbefilmmacher Ralf Schmerberg an diesem Sonntag das sogenannte »Café Endlager« in Stuttgart eröffnet hat, das auf eine künstlerische Art das Atom-Problem ins Bewusstsein rücken soll.
Kaum zu erwarten, dass wir in der »FAS« dazu etwas lesen werden.
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Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man bekanntlich schweigen. Schweigen aber ist eine nonverbale Kommunikation, solange man weiß, worüber geschwiegen wird. Manche schweigen aus Respekt, manche aus Pflicht, manche aufgrund eines Gelübtes. Warum schweigt die Frankfurter Allgemeine?
Sicher ist es eine Schweigeminute für alles, was der Fall ist, denn die Welt zerfällt, wie Atome, in Tatsachen. Und FAZ-Tatsache ist die Treue zum Atom. “Deutschland entdeckt den Reiz der Atomkraft” oder “Karriere im Kernkraftwerk” heißen da die Schlagzeilen. Und wer immer noch nicht weiß, wie die Dinge zusammenhängen, wer immer noch nicht glaubt, dass der Russe uns im Würgegriff hat, für den hat die FAZ die passenden Sachverhalte zur Hand: “Mehr Energie aus Wind und Sonne macht uns noch abhängiger von Gaseinfuhren – und Moskau.”
Manchmal ist Schweigen eben doch einfach nur Gold.
Ich glaube ja, dass das eine ganz und gar FAS-untypische und subversive Satire war. Radioaktivität: Man kann sie nicht sehen, nicht schmecken, nicht spüren und nicht riechen. Trotzdem hat sie eine enorme Kraft.
Gilt wohl auch für Protestaktivität, oder? ;-)
Stimmt nicht ganz: erwähnt wird die Anti-Atom-Menschenkette unter “Meldungen”, auf der Politik- Seite 7,als dpa-Meldung. Aber wer erwartet denn ausgerechnet in der FAS eine ausführliche Berichterstattung über eine Anti-AKW-Demo? Ich finde in dem Ding z.B. eine gut geschriebene Analyse, wie Messi im Spiel Barcelona gegen Inter Mailand kaltgestellt werden kann.
Hat mal wer zusammengerechnet was die Demos den staat an geld gekostet hat?
Ich bin für Atomkraftwerke und wähle keine Konservativen Parteien. (SPD CDU)
Für mich bleibt die Atomkraft die preisgünstigste Lösung derzeit. Funktionierende Kraftwerke zu schließen ist allein aus Angst bebohren und hat wenig mit Ökotum zu tun.
Eine neutrale Anmerkung: In der Montagsausgabe der FAZ findet sich ein Artikel über die Protestveranstaltung vom vergangenen Samstag.
@Karl von Thun
Wie Recht Du hast. Die Demos haben wahrscheinlich eine Menge Steuergelder gekostet, schließlich mussten Polizisten den Verkehr regeln. Mist. Dabei könnten wir das Geld viel besser nutzen – die 3,7 Milliarden für das Bergen des Atommülls aus dem Lager Asse zahlen sich ja auch nicht von selbst…
@ hiobs: “Hat mal wer zusammengerechnet was die Demos den staat an geld gekostet hat?”
Was ist das denn für eine Aussage? Du würdest lieber auf freie Meinungsäußerung verzichten, weil´s Geld kostet?
@ hiobs:
Mal davon abgesehen, dass man im Falle von Pannenmeiler Krümmel und anderen Uraltreaktoren selten von “funktionierend” sprechen kann;
Atomkraft ist teuer. Die Kosten der Wartung übernimmt der Staat, also wir alle, die Gewinne streichen die Stromkonzerne ein. Dazu kommen ökölogische Aspekte (schlimmste Kontaminationen bei der Förderung von Uran, welches es sowieso nicht mehr lange gibt), Leukemiefälle und nicht zuletzt dieses vollkommen unnötige Super-GAU-Risiko.
Google mal 100 gute Gründe gegen Atomkraft, da ist sicher auch einer für dich dabei!
Da würde ich jetzt nicht gleich eine konservative Verschwörung sehen. Das geht vielen anderen prominenten Meldungen der Samstags-Tagesschau nicht anders. Die FASZ ist halt keine Tageszeitung, die die Ereignisse vom Samstag berichtet sondern eine Wochenzeitung wie die Zeit und bringt deshalb im Politikteil hauptsächlich Hintergundartikel. Im Nachrichtenteil wurde es ja berichtet.