Ganz schön dirty: Wie die Medien lernten, die schmutzige Bombe zu lieben

Angela Merkel warnt vor „schmutzigen Bomben“ und kündigt ein „ausgeklügeltes deutsches Sicherheitssystem“ an. Der US-Präsident Barack Obama bezeichnet „schmutzige Bomben“ als größte Gefahr für die Sicherheit der Vereinigten Staaten. Und das ZDF hat herausgefunden, dass es immer mehr Anleitungen für „dirty bombs“ im Internet gibt.

Sogenannte schmutzige Bomben sind in aller Munde. Seit Obamas Nukleargipfel in der letzten Woche diskutieren deutsche und internationale Medien über die Gefahren, die von konventionellem, mit Nuklearmaterial bestücktem Sprengstoff ausgehen.
Dabei ist aber nicht nur fraglich, ob diese Bedrohung überhaupt besteht, wie die NZZ jetzt schreibt. Das Bundesamt für Strahlenschutz hält die radiologischen Gefahren außerdem für überschätzt.

Die dabei ständig verwendete Tautologie „schmutzige Bombe“ ist ohne Frage unsinnig,
suggeriert sie doch, dass Waffen und insbesondere Atombomben auch „sauber“ sein können, wenn sie sich denn in den Händen von Staaten befinden.
Gleichzeitig schwingt im Ausdruck „schmutzige Bombe“ neben der Verachtung für die Waffe auch gleichzeitig eine morbide Bewunderung für „saubere“ Kampfgeräte mit, also solche, die unter Laborbedingungen von Wissenschaftlern hergestellt werden – und mithin bei einem Einsatz weit mehr Todesopfer fordern können als ihre schmutzigen Verwandten.

Die Wortwahl kommt dabei nicht von ungefähr: Die Verwendung des Begriffs ist Ausdruck des „globalen Kampfes gegen den Terror“. Er hat auch eine Hierarchisierung der Opfer in den Medien zur Folge: Auf der einen Seite steht der Tod von Terroristen durch „intelligente Bomben“, auf der anderen Seite Terroranschläge mit „schmutzigen Bomben“.

Dabei gerät aber aus den Augen, dass auch der Tod durch millionenschewere High-Tech-Waffen eines immer ist: schmutzig.

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