Man muss schon Mitleid mit Vattenfall haben: Lebt der Stromkonzern diese Tage doch in ständiger Angst, für den voraussichtlich verlängerten Betrieb seiner Atomkraftwerke eine Brennelementesteuer entrichten zu müssen. Obwohl diese selbst bei einer vergleichsweise geringen Laufzeitverlängerung von nur acht Jahren rund 4,5 Milliarden Euro abwerfen würden, straffen die Schweden die Zügel und sparen in Deutschland bei ihren PR-Ausgaben – zumindest bei ihren Kunstpreisen.
Beim Fotowettbewerb 2010 zum Thema „Wärme“ winken den Preisträgern insgesamt 27.000 Euro.
Im Kleingedruckten der Bewerbungsunterlagen wird aber der neue Sparkurs deutlich. Vattenfall werden nämlich umfangreiche Nutzungsrechte für die eingesandten Fotos eingeräumt:
Alle eingereichten Arbeiten dürfen von Vattenfall für die Unternehmenskommunikation, den Fotowettbewerb und ihre publizistische Auswertung genutzt werden. Vattenfall hat insbesondere das Recht, die eingesandten Arbeiten auszustellen, in einem Katalog sowie in Zeitungen, Zeitschriften und anderen Publikationen zu veröffentlichen. Für diese Nutzung kann der Teilnehmer keinen Anspruch auf ein Nutzungshonorar geltend machen.
Wenn Teilnehmer des Wettbewerbs also bald ihre Fotos in Vattenfall-Hochglanzbroschüren wiederfinden, ohne dafür einen Cent bekommen zu haben, können sie sich immer noch damit trösten, einem notleidenden Konzern geholfen zu haben.
Die CSR-Verantwortlichen des Konzerns sehen ihr Engagement freilich deutlich positiver. Auf seiner Homepage lobt sich Vattenfall folgendermaßen:
Soziales Engagement ist für Vattenfall selbstverständlich und Bestandteil unserer Unternehmensphilosophie. […] Mit unserer Kulturförderung tragen wir dazu bei, dass besondere Leistungen und Initiativen gewürdigt werden.
Und wenn durch den Fotowettbewerb außerdem noch teure Honorare für Fotografen vermieden werden können, umso besser.

Man muss schon Mitleid mit den teilnehmenden Künstlern haben: Geben ihre Fotos freiwillig her und können gerade mal 27.000 lumpige Euro gewinnen.
…die sich auf 4 preise verteilen, für eine fotoserie von 8-10 bildern, deren produktion je nach aufwand ca. einen monat in anspruch nehmen könnte – von kosten für wirklich gute ausbelichtungen reden wir jetzt mal nicht. und die dann auf jahre hinweg (für immer?)bundesweit riesige plakatwände zieren könnten, plus zeitungsanzeigen (hast du mal geguckt, was die so kosten?), broschüren etc.
das ist in der tat ziemlich lumpig. es gibt menschen, die versuchen, von ihrer kunst zu leben und kämpfen (im gegensatz zu so manchen rechtsanwälten) jeden monat darum.
vattenfall tut also im sinne seines “kulturengagements” alles dafür, dass die oft genug skandalöse bezahlung solcher leute auch weiterhin salonfähig bleibt. glückwunsch dazu.
Das soziale engagement von vattenfall.. Dandy :)