Spiegel & Vattenfall Seit an Seit

vattenfall-logo.pngUnter der Überschrift „Teurer Schmusekurs“ berichtete der Spiegel im Herbst vergangenen Jahres erstaunlich kritisch über den Stromriesen Vattenfall. Der deutsche Vattenfall-Chef Klaus Rauscher habe den Brand im AKW Krümmel „spröde als `Störung konventioneller Art`“ abgetan, hieß es darin und weiter: „Um die 707 amtlich festgestellten Mängel im Atomkraftwerk Brunsbüttel, die eigentlich bis 2003 behoben sein sollten, hatte er sich bis 2007 kaum gekümmert.“ Das waren völlig neue Töne im Blatt, aber schon eine Woche später dementierte sich der Spiegel quasi selbst. Mit einem Artikel, der die Angriffe auf Vattenfall als Hysterie brandmarkte und zu dem Schluss kam, dass der Störfall im AKW Krümmel von Behörden und Medien hochgespielt worden sei. Das Schlimmste am Unfalltag sei der Insektenstich bei einem Arbeiter gewesen – so das nassforsche Fazit.

Damit war der Spiegel wieder voll auf Linie der Stromkonzerne, und auch bei Vattenfall wusste man den Artikel zu schätzen – sogar so sehr, dass man die Spiegel-Leute gleich in seine eigene PR-Abteilung integrierte. Jedenfalls schickt der Sprecher des Vattenfall-Vorstands, Hans Jürgen Cramer, seitdem den Spiegel-Artikel in Redaktionen, zusammen mit einem Brief, in dem er sich gegen die schweren Beschuldigungen richtet, denen das Unternehmen ausgesetzt gewesen sei. Man habe ein „Höchstmaß an Zusammenarbeit und Offenheit praktiziert.” Und zum Beweis dieser – angesichts der Bunker-Taktik des geschassten Deutschland-Geschäftsführers Bruno Thomauske – doch recht abstrusen Behauptung, schickt Cramer eben den Spiegel-Artikel mit. „Ich möchte Ihnen empfehlen, im (…) Spiegel (…) die Seiten 48 bis 60 zu lesen.“

Auf diese Art wird die Spiegel-Geschichte den Kollegen anderer Medien als Richtschnur für die weitere Berichterstattung über Vattenfall anempfohlen. Allerdings haben sich die Spiegel-Redakteure selbst nicht sehr lang an die Linie gehalten. Schon wenig später wurde Vattenfall in das „Kartell der Abkassierer“ eingereiht und Preisabsprachen der Stromversorger bemängelt. Diesen Artikel schickt Cramer übrigens nicht herum.

2 Kommentare »

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  1. [...] Zeitschrift Nature stellte ihr komplettes Archiv ins Netz, Oliver Gehrs sah die Zeitschrift Spiegel Seit an Seit mit dem Energiekonzern Vattenfall. Das Ende des Feuilletons wurde ausgerufen und die Zeitschrift [...]

    Pingback von medienlese.com » Blog Archiv » medienlese - der Wochenrückblick — 13.01.2008, 17:30 #

  2. Sounds great! Your blog is one of my most favorite now ;). You have hit the nail on the head, just like you always do.

    Kommentar von Sujoy — 11.04.2008, 7:13 #

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