SZ-Korrekturen

SZ-Fehlerteufelchen
Unter den überregionalen deutschsprachigen Abonnementszeitungen ist die Süddeutsche Zeitung mit Abstand die meistverkaufte, im letzten Quartal 2007 erreichte sie sogar die höchste Auflage ihrer Geschichte. Und so lange, wie wir zurückdenken können, ist sie eine der zwei einflussreichsten Zeitungen ihrer Art in Deutschland gewesen.

Das hat sehr gute Gründe, und diese Gründe müssen wir hier nicht eigens aufzählen. Ausgezeichnet allerdings, das finden wir auch, ist die SZ damit noch lange nicht. Und ein wichtiges Element, das ihr dazu fehlt, ist, dass sie endlich damit ernst macht, ihre Sachfehler sorgfältig zu identifizieren und öffentlich zu korrigieren.

Vor wenigen Jahren führte die Süddeutsche auf ihrer zweiten Seite eine kleine Korrekturrubrik ein, mit einem Fehlerteufel als Maskottchen. Dieses Fehlerteufelchen ist ein Ärgernis. Fast möchte man sagen, es ist ein Feigenblatt, aber das wäre keine gute Metapher, denn ein Feigenblatt erfüllt seine Funktion bedeutend besser als der SZ-Fehlerteufel die seine.

Der SZ-Fehlerteufel ist ein halbkomatöser Zeitgenosse, in letzter Zeit kommt er nicht im Traum auf ein Pensum von einer Korrektur pro Tag. (Und das wäre bei netto 30 bis 40 Seiten voller Text schon verdächtig wenig.) Wenn er sich einmal richtig ins Zeug gelegt hat, dann liefert er zwei Korrekturen am Stück. Diese Herkulesarbeit ist so häufig zu bestaunen wie eine Mondfinsternis, und wenn der Teufel danach nur wenige Tage in der Versenkung verschwindet, dann ist von Glück zu reden. In den vergangenen zwei Wochen mit ihren zwölf SZ-Ausgaben gab es insgesamt zwei Korrekturen:

+++++ Mo, 14.01. bis Mi, 16.01.2008: keine Korrekturen. +++++ Do, 17.01.2008: 1 Korrektur: „Auf Seite 4 der SZ vom 16. Januar stand in dem kleinen Editorial, dass der Leipziger CDU-Parteitag 2005 stattgefunden habe. Richtig wäre das Jahr 2003 gewesen.“ +++++ Fr, 18.01. bis Fr, 25.01.2008: keine Korrekturen. +++++ Sa, 26.01.2008: 1 Korrektur: „Im Bayernteil vom Freitag wird behauptet, Ludwig Erhard sei Bundeskanzler von 1963 bis 1969 gewesen. Tatsächlich war er Kanzler von 1963 bis 1966. Danach gab es eine Große Koalition unter Kurt Georg Kiesinger.“ +++++

Bei einem Blick auf solch eine Übersicht drängen sich mehrere prinzipielle Überlegungen auf – vor allem aber zwei mögliche Erklärungen für die homöopathische Dosierung der SZ-Selbstkorrekturen:

Eine Möglichkeit ist, dass die Süddeutsche Zeitung, bei der das Wissen hunderter schreibender und SZ-lesender Profis zusammenläuft, insgesamt weniger Fehler bei sich registriert als ein einzelner SZ-Abonnent bei aufmerksamer Lektüre alleine ausmachen kann. Diese Möglichkeit darf man hoffentlich ausschließen.

Eine andere Möglichkeit scheint realistischer, sie ist darum aber kaum erheiternder, und sie sieht so aus: Die Süddeutsche Zeitung registriert intern ein Vielfaches ihrer öffentlich eingestandenen Fehler, nimmt aber ihre öffentlichen Selbstkorrekturen schlechterdings nicht ernst (vom Leser zu schweigen). Es wäre der SZ dann egal, ob sie versehentlich falsche Informationen vielhundertausendfach gedruckt hat oder nicht. Doch anstatt dabei ehrlich zu sein, abzuwinken und die Korrekturen wenigstens ganz bleiben zu lassen, wird ab und zu noch gönnerhaft eine Brotkrume der Selbstkorrektur unter die Leute gestreut – frech suggerierend, es sei nach dem bestem Wissen und Gewissen der SZ ansonsten nichts danebengegangen. Vielleicht gibt es diese Brotkrume ja nur dann, wenn keinem mehr eine bessere Idee dafür eingefallen ist, wie man die zweite Seite vollbekommen könnte.

Nein, einen Ombudsmann hat es bei der SZ wohl noch nie gegeben. Dazu wird der eine oder andere vielleicht sagen: Nun, Ombudsmänner gibt es bei deutschen Qualitätszeitungen ganz generell nicht. Das ist richtig beobachtet, es ist aber erst recht nicht gut.

Wenn die Süddeutsche ihre Sache ernst nähme, dann stünde auf ihrer zweiten Seite täglich eine ganze Korrekturspalte, aber sie steht dort nicht, und sie steht auch nirgends sonst in diesem Blatt. Mit unserer fortlaufenden Korrekturspalte wollen wir zumindest einen Anfang damit machen, diese Lücke zu schließen. Und ehrlich gesagt, wir denken, dass uns die SZ dafür dankbar sein sollte.

8 Kommentare »

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  1. Hallo Schnuckis,

    wenn Ihr mir schon das Postfach zuspammt, dann schreibt wenigstens die richtigen Links hinein. Nicht http://www.blog.dummy-magazin.de sondern blog.dummy-magazin.de muß es heißen, damit der Leser hier auch ankommt und nicht auf der CONFIXX-Konfigurationsoberfläche Eures Webservers versauert.

    Ich geh jetzt gleich mal bei der SZ petzen!

    Kommentar von Hähä! — 28.01.2008, 9:18 #

  2. Ja, wo sind denn jetzt die ganzen Fehler, die in der SZ in den letzten Tagen verheimlicht wurden? Dat muss hier jetzt aber mal voranjehen, Jungens, ne?

    Kommentar von Elvis Proust — 02.02.2008, 0:36 #

  3. Ein Blog lebt von seiner Aktualität, Mädels!

    Kommentar von Joe Cocker — 03.02.2008, 8:54 #

  4. [EDIT: Überflüssiger Austausch mit einem zeternden Kommentator gelöscht, der zu feige war, eine echte Mail-Adresse anzugeben, dem Sachfehler ausdrücklich egal waren, der uns mit einigen Ausrufezeichen beschied, was wir lieber zu tun hätten, und der später auch noch die Stirn hatte, mehr Höflichkeit einzufordern. In Zukunft wird solcher Abfall kommentarlos gelöscht. Inhaltlich eingegangen bin ich darauf nur, um Missverständnissen hinsichtlich unserer Absichten hier vorzubeugen. Das erledigt der nachfolgende Austausch weitaus besser.]

    Kommentar von Malte Dahlgrün — 07.02.2008, 14:43 #

  5. Ihr schreibt alle am Kernproblem vorbei. Im Jahr 2002 hat die SZ praktisch die gesamte Schlussredaktion gekündigt, weil der Zeitung das Wasser bis zum Hals stand. Es fehlte das Geld für Qualitätspersonal. Inzwischen ist es wieder etwas besser geworden, aber den formidablen Zustand der achtziger Jahre, als praktisch kein Artikel ungeprüft rausging, wird es nicht mehr geben.

    Kommentar von Corvus — 19.02.2008, 13:42 #

  6. @ Corvus: OK. Ich würde deshalb allerdings nicht gleich sagen, dass der Eintrag am Kernproblem vorbeischreibt (vielmehr stellt sich dann unter anderem die Frage, warum sich die SZ nicht wieder das Personal dafür leistet).

    Ich muss hier aber auch ganz generell nachtragen, dass wir mit der Ankündigung einer “fortlaufenden Korrekturspalte” viel zuviel versprochen hatten. Da hatte ich mit OG einen Schnellschuss abgefeuert. Am liebsten hätte ich diese Ankündigung aus dem Eintrag dort oben wieder gestrichen. An der sonstigen Beschreibung des Mangelzustands ist ja festzuhalten. Aber wir können hier weißgott keine fortlaufende Korrekturspalte für die SZ veranstalten, das wäre ein Fulltime-Job für mehrere Leute. Eigentlich ginge das sogar nur dann richtig, wenn man eine Sammelstelle für Leserzuschriften bildete.

    Trotzdem wollen wir uns die Möglichkeit offenlassen, hier in unregelmäßigen Abständen auf schlimmere Schnitzer hinzuweisen, die uns auffallen. Ist ja seitdem auch passiert.

    Kommentar von Malte Dahlgrün — 19.02.2008, 14:19 #

  7. Ja nun, sogar im “Spiegel” passieren Schnitzer, die er natürlich nicht im Hohlspiegel veröffentlicht, denn so viel Eigenhumor haben die nicht. Und die Schnitzer in der SZ sehen sowieso die Fehlerjäger, die fast alles lesen und die Fehler anstreichen, die Artikel ausreißen und in großen Kuverts einmal im Monat an die SZ senden nach dem Motto: Da gabt ihr’s!
    Wenn man sich die Mühe macht und diese Anstreichungen studiert, dann stellt sich heraus, dass an die Hälfte zu Unrecht moniert wird. Die heutigen Oberlehrer können halt auch nicht mehr rechtschreiben.
    Dagegen ist es immens zeitaufwendig, die faktischen Fehler herauszubekommen, das ist jeden Tag eine Gratwanderung zwischen Drucken und Qualität. Und wenn ich den Verkehr am Stachus anschaue, dann wundert es mich, dass nicht mehr passiert. Das muss was mit Erfahrung zu tun haben.

    Kommentar von Corvus — 19.02.2008, 18:40 #

  8. Das ist es genau, die Korrektur faktischer Fehler – und davon ist im Eintrag ja die Rede: von “Sachfehlern” – ist vom Aufwand her eine ganz andere Größenordnung. Erst recht im Falle einer täglich erscheinenden, textreichen Zeitung, die nicht ständig verzerrt und mit dem Holzhammer rumläuft.

    Um’s nochmal zu betonen: Oberlehrerhaftes Anstreichen reiner Tippfehler oder Deutschfehler hat uns hier nie interessiert, solange man noch ohne besonderes Vorwissen erkennen kann, was gemeint ist (und generell wohl: solange es nicht extrem peinliche Ausmaße annimmt). Von Korinthenkackerei wollten wir uns von vornherein klar abgrenzen. Die kleineren handwerklichen Fehler redaktionsintern abzufangen, ist schon wichtig. Aber für einen Eintrag hier wären entsprechende Korrekturen nicht interessant genug.

    Bei dämlichsten Übersetzungen, die den Sinn verändern, geht es freilich schon nicht mehr um reine Sprachfehler. Da wird manchmal aufs schlimmste Sinn entstellt, und zwar, weil Leute, die es nötig hätten, meinen, es nicht nötig zu haben, ins Wörterbuch zu schauen.

    Kommentar von Malte Dahlgrün — 19.02.2008, 21:45 #

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