Langsam kann einem Stefan Aust richtig leid tun. Erst wird ihm Knall auf Fall und auch noch im Urlaub gekündigt und nun stellt man ihn auch noch frei, damit er keinen Schaden mehr anrichten kann. Dieser plötzliche Stimmungsumschwung beim Spiegel mutet schon bigott an, schließlich hat sich die feige Redaktion jahrelang demonstrativ vor Aust gestellt, obwohl dessen weitere Eignung schon vor einiger Zeit mit Recht hinterfragt werden konnte: Die Nähe zu Springer und zu den großen Wirtschaftsunternehmen, die unselige Klüngelei mit Schirrmacher, das Politikmachenwollen und der Hang zu Geschichten über die Estonia. Aber als Franziska Augstein diese Art der Chefredaktion vor Jahren mit Fug und Recht kritisierte, gab es einen Aufschrei.
Nun aber sind alle ganz mutig und jagen den armen Aust vom Hof. Wohl auch, weil er sich beim Pokern um eine Abfindung bislang unnachgiebig gibt. Wer will es ihm verdenken.
Inhaltlich hat sich der gefühlte Abgang von Aust allerdings schon ausbezahlt. Diese Woche findet sich die Meldung im Blatt, dass Homo-Paare genauso glücklich sind wie Hetero-Paare, was außer dem Spiegel wohl niemanden überrascht, im traditionell homophoben Nachrichtenmagazin (man lese nur noch einmal die Berichterstattung über Ole von Beust) aber eine kleine Revolution ist. Außerdem ist diese Woche ein seit Jahren vermisster Beitrag über den Niedergang der Bild-Zeitung im Blatt, nachdem der Spiegel es unter Aust stets vermieden hat, die Bild unter Kai Diekmann ernsthaft zu kritisieren. Nur die Gründe, die die Spiegel-Redakteure für den Niedergang des Schmuddelblatts anführen, könnten auch noch von Aust stammen: Nicht die ständigen Persönlichkeitsverletzungen sind schuld oder die Gaga-Geschichten über Dieter Bohlen, auch nicht der Umstand, dass Bild nur noch über B-Prominente berichten kann, weil sich viele der anderen dem Blatt verweigern – nein. Schuld ist laut Spiegel das Internet, in dem sich soviel Schund befindet, dass Bild nicht mehr konkurrieren kann.
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ich hab’s: sie meinten Spiegel-Online ;-)