Neurononsens im Politikfeuilleton

feddersen.pngDer taz-Autor Jan Feddersen beteiligte sich heute an der allgemeinen Begriffsanalyse um Assimilierung und Integration, die nach der Kölner Arena-Rede des türkischen Ministerpräsidenten eingesetzt hat. Als Feddersen sich die eigentlich recht einfache Aufgabe vornahm, die Idee der Assimilierung gegen den abstrusen Vorwurf eines “Verbrechens gegen die Menschlichkeit” zu verteidigen, wird er sich gedacht haben, er werde das jetzt besonders clever anstellen. Und er glänzte mit folgendem pseudowissenschaftlichen Brückenschlag zu seiner ungefähren gesellschaftspolitischen Grundaussage, es sei eine gute Sache, wenn sich Migranten assimilieren:

Aus der Neurobiologie ist überliefert, dass es keine Integration ohne Assimilierung gibt. Wer in ein System will, muss sich an es anpassen – und wird sich verändern. So wie auch das gegebene System sich mit den neuen Teilen verändert. Gesellschaftlich gesprochen: So wie die Attributierung “deutsch” schon immer eine künstliche Anordnung des nicht Anzuordnenden war, so hat sich dieses Land grundsätzlich durch Migranten verändert.

Keine Sorge, wenn Sie nicht verstehen, wo da der Zusammenhang sein soll. Es gibt keinen. Dafür gibt es später noch einmal eine ähnliche Argumentationsfigur:

Aus der Neurobiologie ist wiederum bekannt: Nur Systeme (und die in ihnen wirkenden Synapsen), die offen für Einflüsse durch hinzukommende Elemente sind, überleben. Purifizierungen (“das Deutsche”, “das Türkische”) sind mit dem wahren Leben nie in Deckung zu bringen.

Auch überliefert aus der Neurobiologie ist zum Beispiel, dass Neuronen jede Menge Dendriten haben. Könnte das denn nicht nun – es ist ja kein großer Schritt – als Rechtfertigung der, sagen wir, Vielweiberei missbraucht werden, Herr Feddersen? Und wo wir schon einmal darüber nachdenken: Ist nicht die Doktrin von der Diskontinuität benachbarter Neuronen, recht betrachtet, eine gewaltige kulturtheoretische Herausforderung für das Konzept der Migrantenintegration?

Möglich, dass Feddersen seinen Hinweisen auf die Neurobiologie überhaupt gar keine argumentative Rolle zuweisen will. Vielleicht sollen sie nur ein bisschen danach aussehen. Vielleicht weiß er auch selbst nicht genau, was der Quatsch soll.

3 Kommentare »

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  1. Hallo, gibt es die Möglichkeit, alle Kategorien als einen RSS Feed zu abonieren? Bzw. nur die Blogeinträge ohne Kommentare? 6 Einzelfeeds sind ein bisschen unübersichtlich. Oder hab ich die Möglichkeit einfach übersehen?

    Danke und Grüße,
    Carnor

    Kommentar von Carnor — 14.02.2008, 14:12 #

  2. Das ist ja die nächstliegende Möglichkeit, ich hoffe doch, die gibt es… Felix, könntest Du das vielleicht beantworten? Oliver und ich haben da noch keinen Schimmer.

    Kommentar von Malte Dahlgrün — 14.02.2008, 17:43 #

  3. moderne browser zeigen die feeds eigentlich automatisch zur auswahl an. zur auswahl gibt es folgende feeds:

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    Kommentar von Felix Schwenzel — 15.02.2008, 8:54 #

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