Spiegel Online, nicht immer in D.C. unterwegs
In hiesigen Leitmedien verkaufen ja deutsche USA-Berichterstatter ganz gerne Ideen ihrer amerikanischen Kollegen als eigenes Gedankengut und tänzeln dabei öfters an der Grenze zum Plagiat. In der Blogbar ist vor wenigen Stunden ein nettes Beispiel dafür dokumentiert worden, wie einer nicht rumtänzelt, sondern stattdessen einfach mal ganze Passagen abschreibt und fremde Inneneinblicke als seine eigenen ausgibt.
Ob Spiegel Onlines USA-Korrespondent Gregor P. Schmitz oft in Washington D.C. unterwegs ist, ist nicht ganz klar, aber immerhin ist er in der Washington Post unterwegs. Für seinen Artikel vom 18.02.2008 über Barack Obamas Wahlkampfteam bedient er sich ungeniert bei einem Artikel in der Washington Post vom 08.10.2007.
Im ersten Absatz von Schmitz’ Artikel fällt im Zusammenhang mit einer Detailschilderung der unspezifische Verweis: “war in der Washington Post zu lesen”. Damit wird wohl nicht nur die Information als abgegolten betrachtet, dass Obama einen Klappstuhl heranzog und sich seiner Wahlkampfhelferin Julianna Smoot gegenübersetzte. Auch nicht die komplett nachgeschriebenen beiden Eingangsabsätze. Sondern auch weitere Passagen, die erst viel später im Text auftauchen.
Aber selbst mit dem Abschreiben scheint es nicht recht geklappt zu haben, wenn man die Passagen über Wahlhelferin Smoot aus den beiden Artikeln einmal miteinander vergleicht: Aus “Smoot, 40, … fast-talking” wird “Smoot, eine sehr schnell redende”, nun ja, “Mittvierzigerin”. Abschreiben muss man eben auch können.
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Nachtrag, 13:50 Uhr: Damit keine Missverständnisse aufkommen: “Don Alphonso” fügte seiner Meldung in der Blogbar nach unserem Austausch in den Kommentaren in großen Lettern hinzu: “[Update:] Fehler meinerseits.” Das scheint dazu geführt zu haben, dass von vielen der ganze Eintrag dort als Falschmeldung betrachtet wurde. Das ist er nicht. Das Dementi betrifft nur eine unnötige Verschärfung, die Fonsi in den anschließenden Kommentaren hinzugefügt hatte: seine Behauptung, der SpOn-Artikel vom 18. Februar sei erst nachträglich mit einem Verweis auf die Washington Post versehen worden.
Fonsi behauptete in einem Kommentar, er habe einen Screenshot einer älteren Version, in der noch kein Verweis auf die Washington Post enthalten sei. Als ich den Screenshot zum Beweis gerne sehen wollte und er die relevanten, eng umrissenen Ausschnitte unter den Eintrag in sein Blog gestellt hatte, stellte sich drolligerweise raus, dass die “ältere” und die “neuere” Version identisch waren und beide den Verweis auf die Post enthielten. Fonsi stellte das auch fest, als er die Textausschnitte mal betrachtete, und gab den Fehler zu. Ich habe das Ganze von vornherein aus dem obigen Eintrag herausgehalten.
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