10 Gründe, warum das Magazin nicht “Neger” heißen kann

 

- weil die beabsichtigte Dialektik, dass das Wort auf dem Cover eben nicht nur eine Personengruppe beschreibt, sondern den Diskurs um begriffliche Zuschreibung und Diskriminierung gleich mit, anscheinend von zu wenigen auf Anhieb verstanden wird

- weil wir uns zu sicher waren, dass DUMMY völlig unverdächtig ist, rassistisch oder rechts zu sein

- weil es wohl doch nur Helmut Schmidt nicht übel genommen wird, das Wort in den Mund zu nehmen

- weil ein Cover nicht zuviele Unklarheiten bieten darf

- weil unter den Kommentaren Lösungsvorschläge waren, die der Sache gerechter werden

- weil es tatsächlich zuviele Menschen gibt, die sich dadurch beleidigt fühlen könnten, ob nun zu Recht oder zu Unrecht

- weil der Vorwurf, wir wollten nur provozieren ziemlich dämlich ist, man aber auch dämlichen Vorwürfen nur ungern ausgesetzt sein möchte

- weil es schon erstaunlich ist, wieviel Energie manche Kommentatoren aufbringen, wenn es um ihren Hass auf Berlin-Mitte (wir wohnen da gar nicht) und auf Latte Macchiato (trinken wir gar nicht) geht, andererseits aber Toleranz und Sensibilität einfordern

- weil wir keine Lust auf weitere Hass-Mails haben

- weil uns Tahir ganz schön Angst gemacht hat

Darf ein Magazin “Neger” heißen?

Neger-Titel

Wir wollen mal nicht so tun, als hätten wir es nicht kommen sehen. Als hätten wir nicht gewusst, dass es bald im Posteingang rappelt. Dass uns in aufgeregten mails Rassismus, Irrsinn, politischer Amoklauf und sonstwas vorgeworfen wird. Warum? Weil wir ein Heft zum Thema „Neger“ machen wollen. Das nächste Dummy im Herbst.

Wir hatten uns das nämlich so schön gedacht: Ein Magazin voller Geschichten über Schwarze, über black culture, Malcolm X, Obama, HipHop, Roberto Blanco, den Sarotti-Mohr, über Rassismus und Afrika. 138 Seiten black power. Ein aufregendes, journalistisches Projekt. Wir wollten das Heft Dummy-„Neger“ nennen, um gleich mal mit der Diskussion um inkriminierte Bezeichnungen loszulegen. Um Lust zu machen auf eine anregende Debatte fern einer beschränkten politischen Korrektheit. Wir recherchierten also, wie das denn jetzt genau ist: Ob man denn überhaupt „Neger“ sagen darf? Wir sprachen mit weißen und schwarzen Menschen und kamen zu dem Ergebnis: Man kann. Und mit einiger Hybris dachten wir sogar: Wenn, dann wir. Schließlich haben 19 Hefte (darunter heikle Themen wie Juden, Sex und Frauen) gezeigt, dass man gerade vorbelastete Themen ohne Denkverbote und mit Unbefangenheit aufarbeiten muss. Und für rechts hat uns noch niemand gehalten.

So, und jetzt sehen wir: Es geht wohl doch nicht. Die Wut ist bereits so groß, dass täglich mails kommen, die uns aufrufen, das Projekt zu stoppen – oder zumindest umzubennen. Andere wiederum loben das Dialektische an dem Vorhaben. Aber wie soll man denn nun das Heft taufen: Dummy „farbige Mitbürger“, Dummy-„maximal Pigmentierte“, Dummy-„black“?? Vielleicht hilft es, die Diskussion hiermit öffentlich zu machen. Das Thema ist uns zu wichtig, um es fahren zu lassen. Die Fahrt wurde bereits aufgenommen. Wir sind gespannt auf Eure Gedanken.