Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?
Hat es jemand gemerkt? Der Kulturspiegel ist wieder da (das ist dieses Heftchen, das ab und an aus dem Spiegel rausrutscht und kein Katalog von Peek & Cloppenburg ist). Faszinierend ist dieses Magazin ja schon. Es kostet nichts. Es sieht aus wie nichts. Und es enthält unter Garantie keine Geschichten, die man nicht schon irgendwo anders gelesen hat. Vielleicht ist der Kulturspiegel ja auch ein kleines Second-Hand Geschäft, irgendwo in Hamburg. Vielleicht können Journalisten da vorbeigehen und ihre alten, vermufften Texte abliefern, die sonst keiner will? Ich weiß nicht, was der Kulturspiegel ist. Jedenfalls hat es fast schon was von Slapstick, wie die Redaktion jeden Monat Trends herbeischreibt und sich am Ende doch nur hinter abgefahrene Züge schmeißt. George Clooney Superstar (August), Shoppen in New York (September), das supertolle Kindel Lesegerät im Oktober (das, nebenbei gesagt, drei von zehn darüber berichtenden Journalisten noch nie in der Hand gehabt haben, aber trotzdem schon mal vom revolutionären Potential schwärmen). Außerdem ist da diese überraschend schöne Kanzlerin auf dem Cover. Kommt mir irgendwie bekannt vor die Idee. Oder täusche ich mich da?
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Zu früh schwarz gesehen: Das neue DUMMY ist da!

So, jetzt ist es endlich raus – das DUMMY zum Thema “Schwarze”. Seit Montag ist es am Kiosk und vorne drauf ist Roberto Blanco als Whoopie Goldberg, weiland fotografiert von Annie Leibovitz. Blanco wurde vom Kollegen Jochen Förster in 300 Liter Milch gelegt und von Edith Held abgelichtet.
Das Heft heißt also nicht Neger – all die netten Menschen, die sich hier vor geraumer Zeit die Köpfe heiß kommentiert und uns Rassismus vorgeworfen haben, können also ganz entspannt sein. Und wir Gott sei Dank auch. Denn dass hier im Blog so lange nicht geschehen ist, war schlichtweg dem Umstand geschuldet, dass so ein Heft über Farbige einfach noch viel mehr Arbeit macht als ein Heft über die Schweiz (DUMMY Nr.19), weil es ja so unendlich viele Fallstricke gibt, politische Korrektheiten, die, vor allem, wenn sie von bornierten Menschen vorgetragen werden, doch sehr dazu reizen, sie zu missachten.
Aber provozieren um des Provozierens Willen wollten wir denn nun auch nicht. Wir finden, es ist ein Heft entstanden, dass weder zu korrekt, noch in irgendeiner Art und Weise diskriminierend ist. Dass wir uns letztlich doch sicher mit der Heftmischung fühlen, haben wir auch der Diskussion an dieser Stelle zu danken. Nun sind Heldengeschichten drin, aber auch Abstürze, schwarze Brüste und schwarze Dealer, weiße Stellen und tolle Mohren-Logos. (Das war Werbung!) Es würde uns freuen, wenn die Blattkritik auch hier anlandete!
PS: Ein peinlicher Fehler ist auch drin. Und zwar fehlt in der wunderbaren Kulturgeschichte des Hip-Hop im Spiegel seiner Plattencover von Joachim Hentschel das Kapitel über „The notorious BIG“. Stattdessen hat sich an der betreffenden Stelle „Grandmaster Flash“ ein zweites Mal verewigt. Auch ein guter Kurz-Text – aber nun leider doppelt im Blatt. Der fehlende sei hier nachgereicht – als Appetizer:
“Auf der anderen Seite der Straße macht Hip-Hop den letzten Evolutionsschritt zur Soap-Opera. Schicksale, Lebensweichen, dunkle Wolken über Brooklynhausen. Das Baby auf dem Cover des ersten Albums von Christopher Wallace alias Notorious B.I.G. soll er selbst sein, und die Platte beginnt tatsächlich mit seiner Geburt. Wie der kleine Jesus ist Biggie schon vom ersten Atemzug an dem Tode geweiht, gebrandmarkt, „Ready To Die“. Mit seinem Mentor Sean „Puffy“ Combs stand er als fettes Symbol gegen die Konkurrenzfirma Death Row aus L.A., Eastcoast versus Westcoast. Der Zank der Fürstentümer hielt die Fans mit ihren niedrigen Aufmerksamkeitsspannen vor dem Bildschirm. Das inszenierte Pathos wurde angeblich wahr, als Biggie am 9. März 1997 erschossen wurde. Die posthume Platte hieß „Life After Death“. Die zweite Staffel.”

