Bitte mal rechts ran: Polizei prüft DUMMY

Sebastian Irrgang (rechts) und Oliver Gehrs vor der Wache

Es war ja schon höchste Zeit, dass wir das Polizei-DUMMY persönlich in der für uns zuständigen Wache vorbeibringen – und so fassten sich Artdirektor Sebastian Irrgang, Bildchef Felix Brüggemann und Herausgeber Oliver Gehrs ein Herz und marschierten zur Direktion 3, Abschnitt 31, in der Brunnenstraße in Mitte, um den dort wachhabenden Beamten drei Exemplare auf den Tisch zu legen.
»Wir sind doch jetzt blau« kam flugs die erste kritische Bemerkung beim Blick auf das grüne Cover. Und auch das flüchtige Blättern im Heft hatte hochgezogene Augenbrauen bei den diversen Wachtmeistern vor Ort zur Folge. Kein Wunder – treffsicher hatten sie die Seiten mit den Ressort-Überschriften »Bullen« und »Ihr Schweine« aufgeschlagen.
Erstmals hellte sich die Stimmung beim Blick auf die Mercedes-Anzeige auf der Rückseite auf – so schöne Polizeiautos hätten sie in Berlin schließlich auch gern. Doch die Landeskasse erlaubt nur Opel Corsa und VW Touran.
Dann aber wurde das Treffen zwischen Ordnungsmacht und dem unabhängigen publizistischen Komplex doch noch versöhnlich. Allein schon der Umstand, dass sich mal jemand um die Polizei gekümmert, sorgte für ein gewisses Zutrauen. Für weitere Stellungnahmen erbaten sich die Polizisten aber ein wenig Zeit für die Lektüre. Geschenkt.
Ein gemeinsames Foto war leider noch nicht drin, zu misstrauisch ist die Polizei gegenüber den Medien. Die Beamten vor Ort hätten wohl gewollt, wurden aber nach einem Anruf bei einem Vorgesetzten, den sie auf der Direktion 3 nur »den Alten« nannten, beschieden, dass ein Foto mit der DUMMY-Redaktion nur nach Rücksprache mit der Pressestelle möglich sei. Schade eigentlich.
(Foto: DUMMY/Felix Brüggemann)

Mit dem Cop durch die Wand: Das neue DUMMY ist da

Als wir mit diesem Heft anfingen, waren wir echt genervt von der Polizei. Von der rotzigen Art, in der einem bierbäuchige Beamte ihre Gardinenpredigten halten, wenn man mal wieder falsch herum auf dem Radweg gefahren ist. Ihrem sozialen Dünkel, wenn sie auf Menschen treffen, die Abitur haben, Frauen oder Ausländer sind. Ihrer Mackerhaftigkeit, wenn sie in ihrem Ninja-Turtle-Outfit auf Demos herumstehen und befugt ins Ungefähre schauen. Das fehlende Augenmaß, wenn sie Partys auflösen, weil sich ein Nachbar beschwert hat …
Je mehr wir uns mit dem Thema beschäftigten und je mehr wir mit Polizisten gesprochen haben, desto mehr verrauchte unsere Rachlust. Nicht, weil es diese spießigen, naseweisen, ignoranten Polypen nicht gäbe – aber weil es eben auch die anderen gibt. Die, die für einen Hungerlohn einen Gutteil der Sozialarbeit machen, ohne die die Gesellschaft an den Rändern implodieren würde.
Nach 1945 konnten sich viele Polizisten vom alten Schlag in die neue Zeit hinüberretten. Doch die deutsche Polizei hat sich schnell gewandelt – immer als Reaktion auf gesellschaftliche Umbrüche. In den 60ern stand den Beamten noch eine relativ kleine Gruppe von Protestlern gegenüber, die man im Zusammenspiel mit der Springer-Presse recht einfach kriminalisieren konnte. In den 70ern und 80ern begegneten den Polizisten auf den großen Demos gegen die Atomkraft und für den Frieden bereits öfter die eigenen Nachbarn auf der anderen Seite. Der Protest gegen den Staat war in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Dafür, dass auch die Polizei mit ein wenig Verspätung dorthin gelangte, hat u. a. die verstärkte Aufnahme von Frauen und Migranten in den Dienst gesorgt.
Dieses Heft, das ab heute am Kiosk ist, soll helfen, »die Bullen« etwas differenzierter zu sehen. Dafür haben wir so manchen Kriminalkommissar vernommen, wir waren in L. A. mit auf Streife und sind gen Helgoland gefahren, um den Inselbeamten zu sprechen. Wir haben im Fotoarchiv von Amsterdam gewühlt und mal geschaut, wo man Polizisten mit wie viel Geld bestechen kann. Eins vorweg: In Deutschland klappt es nicht.